NEW CATHRYN

Vice City hatte vieles zu bieten. Im nächtlichen Schutz sogar Asyl für verlorene Seelen. Jene von ihnen stürzte über Obstkörbe. Sie lief weiter, schwer atmend. Das Kleid flatterte, die Schuhe klackten. Sie bog um die Ecke, als Johnny über Äpfel, Bananen oder Birnen im Zickzack sprang.

Wieso rennt sie um ihr Leben? Warum hat sie so eine Angst vor mir? Nein, dieses Kleid. Ich bin es nicht, sondern –

Eine Stichwaffe ritzte seinen Hals. Routiniert griff er nach den Armen des Angreifers und schleuderte ihn gegen die Wand. Das Messer klirrte am Boden. Johnny prüfte die Verletzung. Der brennende Schmerz ließ die Mundwinkel verziehen. Der Angreifer besann sich und schnappte nach dem Messer. Der lockige Detective wich den Messerhieben und Tritten aus, tänzelte, wartete, auf die Gelegenheit. Dann schlug er zu, traf den Adamsapfel. Er rang nach Luft. Ein Tritt in die Weichteile folgte. Das Messer flog hoch. Johnny fing es auf und rammte die Klinge in seinen Hals. Er schrie auf. „Du-Scheißkerl. Du-verdammter-Scheißkerl!“ Er ließ von ihm ab und sah sich um. Noch konnte er hastige Schritte vernehmen, nach Big Asia.

Nein! Nicht schon wieder.

An diesem Ort trafen sich wohlduftende Genüsse ganz Asiens. Und das lockte dementsprechend viele an. Die Zeit drängte. Denn er wusste nicht, wie viele auf die Blondine Jagd machten. Sie war es für ihn, eindeutig. Der Schlüssel zum langersehnten Frieden in dieser Millionenmetropole und die Hoffnung auf ein normales Leben. Johnny kämpfte damit, die Menschenmassen zu überblicken. Mühsam zwängte er sich durch sie bis zum anderen Ende des Marktes hindurch. Ein Aufschrei.

„Du musst tun, was Byron dir sagt. Ist das klar?! Du hättest nur bis zum Morgengrauen im Club bleiben sollen. Los, dreh sie zur Seite.“ Der Typ hinter ihr mit dem ungepflegten Kinnbart fing an, sie zu einem Brunnen vor ihnen zu zehren. Sie versuchte, sich mit aller Kraft zu befreien, doch die Verfolger hatten sie fest im Griff. „Lasst mich los! Bitte, verschwindet endlich.“ Der andere lockerte die Finger, überprüfte das Magazin und zielte. Sie betete, dass dieses teuflische Grinsen hinter dem Lauf nicht das Letzte in ihrem jungen Leben werden würde, was sie sah. „Ah!“ Johnny kickte den Kopf schmetternd zu Boden, rollte sich ab und schoss. Der Bartträger verkrampfte, hielt den Durchschuss an der Halsschlagader zu und sackte nieder.

Zitternd und wimmernd hielt sie die Arme hoch. Der kühle Wind kitzelte die mit Blut gesprenkelten Stellen auf der Haut. Johnnys Körper verströmte Hitzewellen. Die Hände auf die Knie gestützt, atmete er ein paarmal tief durch, bevor er sich wieder zur vollen Größe aufrichtete. Er packte ihren Arm. „Es ist vorbei, alles okay.“ Sie drehte blinzelnd ihren Kopf weg. „Nein, es ist nicht vorbei. Nie!“ Mit der anderen Hand zog er ihre Schultern zu sich. „Dann vorübergehend. Jetzt ist es vorbei, jetzt ist es okay. Komm, bei mir bist du sicher.“, sie starrte aufgelöst auf den Boden, während ihre versteinerten Gliedmaßen fortbewegt wurden, „Wir müssen reden.“

Er begleitete sie ins Badezimmer, reichte ihr Badetücher, Baumwollshorts und ein Hemd nach. Geduldig wartete er am Küchentisch. Dann kam sie, setzte sich. Gedankenverloren blickte sie zur Seite. Das dunkelblaue Hemd schlug an den Oberarmen Falten, die sie immer wieder versuchte zu glätten. Die Spitzen ihres blonden Haares waren noch nicht ganz trocken. „Hey, alles in Ordnung. Hier bist du sicher. Wie ist dein Name?“ Sie fuhr sich durchs Haar und zog einzelne Strähnen nach unten. „Cathryn.“ Sie flüsterte vielmehr ihren Namen. „Okay, Cathryn. Ich bin Johnny, Detective vom VCPD. Du hättest also in der Clubnacht nicht weglaufen müssen.“ „Doch, schon!“, klagte sie. Johnny sah ihr deutlich an, dass unangenehme Erinnerungen hochkamen. Er gab ihr die Zeit, die sie brauchte.

„Ich wäre so oder so weggelaufen. Vor diesen schmierigen Leuten, vor diesem Monster.“ Cathryn verschränkte die Arme und lehnte sich zurück. „Monster. Byron Maxwell?“ Sie nickte zögernd. Johnny lehnte sich vor und umklammerte dabei die Tischkanten. „Cathryn, dein Wissen ist für die Ermittlungen goldwert. Hilf uns und ich verspreche, dass alles bald vorbei sein wird.“ Das Wimmern kehrte zurück und sie japste. „Ich will, dass es hier und jetzt aufhört. Und ich will zurück nach Los Angeles. Mit meiner Schwester! Sie hatte noch zwei Semester bis zu ihrem Abschluss in Medizin und ich wollte diesen Herbst beginnen. Aber sie sind nachts in unser Apartment eingebrochen. Sie haben Avery in den Van gezehrt. Dann mich!“ Sie vergrub ihr Gesicht in den Händen und die Tränen sickerten durch ihre schlanken Finger.

Verzweifelt schüttelte er den Kopf und bemühte sich, besänftigend zu wirken. „Cathryn, wir schaffen das.“ Er stand auf und griff in einer Schublade nach Taschentüchern. Sie dankte. Er selbst nahm eines und trocknete ihre Augen. Zum ersten Mal sah sie ihn direkt an.

Diese Augen. Dieses Blau. Leuchten sie?

„Warte hier, ich bin gleich wieder da.“ Die Wohnungstür fiel dumpf zu. Sie schnäuzte sich und fand sich in einer stillen, karg eingerichteten Wohnung wieder. Sie betrachtete die Küche um sich herum und fand keine persönlichen Dinge. Lediglich ein kleines Foto mit drei Grabmälern war an einem Spiegel eingeklemmt. Nach einer Weile drehte sich der Türknauf. Ein appetitlicher Duft durchdrang die Räume. Er legte das Abendessen vor ihr auf den Küchentisch. „Sind das diese, Burritos?“ „Ja, hier.“ Er öffnete einen aus der Verpackung. „Danke.“ Er setzte sich und nahm sich auch einen. „Das sind die besten der Stadt. Ein guter Burrito tröstet über alles hinweg, glaube mir.“ Er klang in seinem Bemühen so komisch, Cathryn aufzumuntern. Sie lachte auf und musterte den Inhalt, bestehend aus geriebenem Käse, Kidney-Bohnen, gewürfelten kleinen Tomaten, Mais, umgarnt von gewürztem Rindfleisch mit frischer Guacamole. „Findest Du?“ Er nickte überzeugt. Erleichtert sah er ihr zu, wie sie ein wenig Freude zurückgewann.

Wie stellt sie das an? Ich höre sie zwar, aber es klingt, als würde sie die Wörter hauchen.

Johnny hielt seine Stärkung, die für ihn das Frühstück, Mittagessen und Abendessen zugleich war, mit den Ellbogen am Küchentisch unter den Augen und wartete. „Hm, wie lecker.“ Dann lächelte er.

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CHASING HOPE

Im Präsidium des VCPD schien die Sonne. „Ich frage mich, wie oft man Mist bauen kann. Er kann es. Die, einzige Eigenschaft, die ich an ihm, bewundere.“ Henry schlang einen Donut nach dem anderen in seinen korpulenten Körper. Einige Detectives starrten ihn an und fragten sich, wie charakterlos man nach so einer Nachricht sein konnte. „Wisst ihr. Und dann, und dann noch dieser Name. Der Typ war vorher Darsteller. Darauf, wette ich jeden, jeden Penny.“ Die Türen des Aufzugs öffneten sich und Johnny betrat das Großraumbüro. Benjamin trat umgehend an ihn heran. „Morgen, Johnny. Flores erwartet dich in seinem Büro. Es tut -“ Johnny nickte und ging weiter. Benjamin richtete seine Hornbrille und sah ihm nach, von Trauer erfüllt. Die Stimmung war gedämpft, man ging seiner Arbeit nach. Man versuchte, es zu verarbeiten. Jeder auf seine Weise.

„Johnny. Johnny! Sag mal, wie viele Drehs hattest du so? Tag für -“ Er riss Henry aus dem Stuhl. Heißer Kaffee fiel ihm aus den dicken Fingern auf den Schoß. Die angestaute Wut entlud sich im Griff, und in Johnnys Worten. „Fick dich, Henry! Fick, dich!“ Wuchtig landete er auf dem Stuhl. Johnny packte die Donutbox und warf sie ihm hinterher. Es klackte und Flores stand in der Tür. „Sanchéz! In mein Büro. Wird’s bald?!“

Flores ließ die Fallakten auf den Tisch knallen und stützte sich auf den Kanten aus purem Mahagoni ab. „Ich höre.“ Johnny straffte die Schultern. „Vor 9 Tagen sind wir diesem Typ begegnet, der einen Draht zu Maxwells Leuten hat. Vor 3 Tagen haben wir den Tipp zu diesem Club erhalten. Wir hatten zwar keine offizielle Verbindung zu irgendwem in dem Club, aber -„

„Aber was?! Du wusstest nicht, dass es tödlich enden kann? Dein Team liegt im Krankenhaus. Und Jesús hat es nicht geschafft. Wofür?! Weil du diesem Gespenst nachjagst, seit Monaten? Wieso bist du so sicher, dass dieser Drogenkönig Maxwell hinter dem Ganzen steckt?“ Flores musterte ihn wie eine unlösbare Rechenaufgabe.

Johnny schüttelte missverstanden den Kopf. „Verdammt nochmal, Flores. Wie lange noch? Wie viele Morde? Ich musste Antworten finden, egal wie.“ Sein Vorgesetzter griff sich nachdenklich ins Gesicht und ging um den Tisch. „Hast dich kaum verändert, seit deiner Footballzeit, was? Johnny?“

„Hör zu, Flores!“, wutentbrannt zeigte der Detective mit dem Finger auf ihn. „Nein, du hörst mir jetzt zu! Ich habe seit einer verdammten Woche nichts von dir gehört. Nicht ein Sterbenswörtchen! Keine Fallbeschreibung, keine laufenden Berichte und keine Bitte um Rückendeckung.“

Sie starrten einander an.

„Ich war untergetaucht, ich habe mich vorbereitet. Als ich das letzte Mal Rückendeckung angefordert habe, wurde ich fast abgeknallt! Von Henry Oswald, wie du weißt. Dieses verfressene Arschloch! Und was laufende Berichte angeht, da kann ich mir gleich Sendezeiten im Fernsehen geben lassen!“  Er kickte den Stuhl zum Tisch.

„Moment mal, Moment. Willst du damit andeuten, dass ich ein faules Ei in meinem Department habe?“

„Ich weiß nur, dass mir jedesmal, wenn ich mich diesem Maxwell auf 10 oder 20 Blocks genähert hatte, das Straßenpflaster unter den Füßen weggezogen worden ist.“

Der ältere Mann mit tief liegenden dunklen Augen und einer markanten Stirn, die von sorgenvollen grauen Haaren umrahmt war, beobachtete Johnny, wie er auf und ab ging. Mit den Händen im Nacken. „Hast du Antworten gefunden?“ „Ein Mädchen, ziemlich jung, blond. Sie kennt seinen vollen Namen. Byron Maxwell.“

Flores winkte ab. „Die Vorschriften. Du hast dich an die Vorschriften zu halten. Und von jetzt an wirst du’s tun! Und wenn nicht, suspendiere ich dich vom Außendienst! Das schwöre ich.“ Johnny richtete seine Jacke und griff nach dem Türknauf. „Was tust du jetzt?“ Er atmete tief durch. „Da ist noch etwas zu erledigen.“

Die Schultern lehnten an der kühlenden Stahlwand und die übernächtigten Augen ruhten sich ein wenig aus. Das VCPD befand sich im 3. Stockwerk, doch für ihn kam die Fahrt mit dem Lift wie eine Ewigkeit vor. Gedanken schossen durch den Geist. Schuldgefühle, Vorwürfe, Hass. Er verstand Flores. Und er war ihm dankbar, dass er auch ihn verstand. Die Spannungsverhältnisse im Präsidium waren mittlerweile unerträglich. Das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber den Gesetzeshütern war enorm. Maxwell hatte vielen Menschen, unschuldigen Menschen mit bescheidenen Lebenszielen, sehr schlimme Dinge angetan. Und immer kam er davon. Keine Beweise, nicht einmal ein Phantombild. Nichts. Was blieb, war Johnnys Intuition. Und seit vergangener Nacht die junge Frau, diese Blondine. Der Lift ruckelte, kurz vor dem Stillstand, und ein sanftes Signal holte Johnny in die Realität zurück. Die Lifttüren gingen auf, das Stadtleben ergriff seine Sinne.    

Die Hitze war nachmittags erdrückend. In der Spiegelung der violetten Sonnenbrillengläser war Jesús Lieblingsrestaurant verzerrt zu erkennen. Das pasión war von seinem besten Freund regelmäßig besucht worden. Mindestens dreimal pro Tag. Und nach jedem einzelnen Besuch bekam er reizende Worte und einen Kuss. Von der liebenden Ehefrau, der Johnny nun die Nachricht überbringen musste.

Gut besucht war das Restaurant an jenem Nachmittag. KellnerInnen huschten umher, zufriedene Gäste erfreuten sich an den Köstlichkeiten, die ihnen serviert wurden. An einem der Tische stand sie, mit der sich Jesús eine Zukunft vorstellen konnte und seinen ersten Sohn erwartete. Verlegen blinzelte sie und dankte der Familie für die vielen Komplimente über ihre Kochkünste. Die Türklingel ertönte. „Ah, Johnny. Johnny!“ Die Schritte schienen unkontrolliert, die Hand zögerte. Dann nahm er die Sonnenbrille herunter. Maria sah die Augen, den Gesichtsausdruck. Und reagierte. Zitternd nahm Maria die Teller vom Tisch und kämpfte mit dem Verdrängen. Der Stapel schepperte. „Sag mir, dass nichts mit ihm ist. Bitte sag mir, es ist alles in Ordnung.“ Die Wörter überschlugen sich, die Tränen kamen. „Es ist nichts mit ihm, oder? Bitte. Bitte nicht!“ Die Teller fielen und sie schwankte. Johnny packte ihre Schultern. „Er ist heute Nacht bei einem Schusswechsel gestorben.“ Sie schrie, klagte und verfluchte das Leben. Auf Spanisch. Die Sprache, in der sie Jesús das Jawort gehaucht und er mit ihr Monate später über den richtigen Namen für ihr Kind scherzhaft diskutiert hatte. Ihre Arme umklammerten ihn panisch. In diesem Moment half kein Rat, kein Versprechen, kein Wort. Nur das Auffangen vor dem Fall in die bodenlose Dunkelheit.

Es hatte lange gedauert, bis sie sich beruhigte, halbwegs. Ihre Familie hatte sie abgeholt. Der älteste Bruder versprach ihm bei einem festen Händedruck, dass sie sich um sie kümmern würden. Noch einmal sah er zum Restaurant auf der anderen Straßenseite hinüber. Er stellte fest, dass das pasión den Glanz verloren hatte. Gleißend wanderten die Sonnenstrahlen zärtlich über die rote Lackierung der Wagentür, als er den Fuß hineinsetzte. Die Hände glitten über das Lenkrad. Dann verschwand eine von ihnen für kurze Zeit in der Brusttasche. Ein Wagenschlüssel mit der Abbildung eines stolzen Rosses in majestätischer Pose funkelte im Sonnenschein, während er in das Schloss geschoben wurde. Er drehte ihn und 240 Pferde fingen an durch die 8 Zylinder zu galoppieren. Dem vibrierenden Fauchen folgte ein wachsames Schnurren, das jederzeit bereit war, Johnny in weniger als 7 Sekunden in einen Geschwindigkeitsrausch zu versetzen. Für den damaligen Autoverkäufer und alle anderen, die ihn mit ihr sahen, hieß sie schlicht Ferrari 308 GTS Quattrovalvole. Für ihn hieß sie Cynthia. Die betörend schöne, rasende Cynthia. Und sie war wahrlich magisch. Seit der allerersten Fahrt war den beiden nie etwas geschehen. Mit ihrem grazilen Hals, ihren 3 agilen Tatzen  im Fußraum und der gelenkigen 5-Gang-Kulissenschaltung war nichts und niemand unerreichbar, uneinholbar oder lebensgefährlich.

Ein Gasstoß genügte und sie schnellte ihre Drehzahl für ihn hoch. Was er jetzt dringend nötig hatte, waren gedankenklärende Brisen, vermengt mit der charakteristischen tröstenden Wärme dieser Stadt. Sie beide rasten über Straßen, Brücken und an Küsten entlang. Allmählich versank die Sonne hinter dem türkisen Meer und ihre letzten abendrötlichen Strahlen vermischten sich mit dem Lichterspiel am von Palmen gesäumten Boulevard.    

Die nächtliche Kühle ließ die Sinne erholen. Dennoch war der Körper angeschlagen, erschöpft. Und so hungrig. Er stand vor der Wohnungstür und hielt den Wohnungsschlüssel im Schloss. Das Verlangen nach Fleisch gewann das Duell mit dem Verstand. Die Sneaker tappten wieder die Stiegen hinunter.

Ihm war nach Burritos. Sein knurrender Magen lotste ihn instinktiv zu den Imbissen um die Ecke. Er stellte sich an. Die Ohren vernahmen hinter ihm eine kleinlaute Stimme. Ängstlich, orientierungslos. „Wie? Ja, ist das gut? Das habe ich noch nie gegessen. Einverstanden. Dann zwei, bitte.“ Johnny drehte sich um. Ihre Blicke trafen sich. Sie warf das Essen zu Boden und lief zwischen den Warteschlangen davon. „Hey! Nicht ein zweites Mal.“ Er sprang über den verstreuten Inhalt der Burritos und rannte ihr nach.

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#2

Hi und willkommen zurück, Nerdistas und Nerds. 😉

Viel ist geschehen, seit #1. Zwei Kurzgeschichten kamen heraus, und eine weitere Trilogie namens Vampires, Hells and Love, welche wie Ars Vivendi noch am Anfang steht. Ich hoffe, Ihr seid von diesem leichtfüßigen Flair à la 80s angetan? 😉 Am ausgeprägtesten ist es bei Vice City Crimes.

Oh, und das Beste überhaupt – die Auszeichnung von der sympathischen Michaela für den Mystery Blogger Award. Das war wirklich cool. 🙂

Was steht als Nächstes an? Das stylische Abenteuer mit Johnny Sanchéz wird fortgesetzt. Sobald das fertig ist, geht es mit Liam Swanderson und dem plötzlichen Vampirismus in Riverside weiter. Ars Vivendi und Teil 2 von TIME SPEEDER werden im Sommer fortgeführt.

So viel zu den Buchprojekten. In letzter Zeit kam bei den LeserInnen auf WordPress und SWEEK der Wunsch auf, Tracklists zu den Werken zu posten. Dem Wunsch werde ich natürlich bald nachkommen. 🙂

Na dann, noch ein schönes Wochenende Euch allen und bis zum nächsten Mal!

LG,

Headwrittenstoryteller

 

Mystery Blogger Award

Mystery Blogger Award

Hi, geneigte LeserInnen,

von der charmanten Michaela wurde ich vor Kurzem mit dem Mystery Blogger Award ausgezeichnet! Vielen Dank, liebe Michaela – dass dies mir viel bedeutet, weißt Du ja bereits. 😉 Mehr zu ihr und ihren tollen Geschichten findet Ihr auf ihrem Blog → Michaelaschreibt

Wie jeder Award hat auch der Mystery Blogger Award so seine Regeln. Hier sind sie:

  • Füge das Logo in deinen Beitrag ein
  • Füge die Regeln dem Beitrag hinzu
  • Bedanke dich bei dem, der dich nominiert hat, und füge einen Link zum Blog desjenigen ein
  • Verlinke die Urheberin des Awards → Okoto Enigma
  • Erzähle drei Dinge über dich
  • Beantworte die Frage desjenigen, der dich nominiert hat
  • Nominiere zehn bis zwanzig weitere Blogger
  • Informiere deine Nominierten mittels Kommentaren
  • Stelle deinen Nominieren fünf Fragen; eine sollte lustig und/oder etwas verrückt sein
  • Verlinke deine besten Beiträge

Hier nun drei Dinge über meine Wenigkeit:

  • Ich bin unglaublich schlecht im Lügen/Schummeln. Daher bin ich einfach ehrlich und schummle nie.
  • Es reizt mich seit Jahren, das Spielen mit einer E-Bass-Gitarre zu erlernen, aber ich hatte noch nicht die Zeit. Die Beats von Kings Of Leon aus dem Album Come Around Sundown sind so reizvoll. Mal abwarten.
  • Zurück in die Zukunft ist eine meiner Lieblingsfilmtrilogien. Daher werde ich mich zu Halloween in diesem Jahr als Marty McFly aus dem 2. Teil verkleiden. Die legendären Sneaker mit dem Swoosh in University Red konnte ich ergattern. Das wird so verdammt cool, Nerdistas und Nerds. 🙂

Nun zu Michaelas Fragen:

  • Wie könnte für dich ein Freitagabend aussehen, über den du hinterher „Ja, das war ein schöner Abend!“ sagen würdest?

Hm, ein Freitagabend, an dem man sich gern zurückerinnert. Da fällt mir nur ein romantisches Date mit einer reizenden Dame ein. 😉

  • Was dürfte an einem solchen Abend auf keinen Fall passieren?

Die falsche Restaurantwahl. Yep, das ist ziemlich wichtig.

  • Stift und Papier oder lieber Tastatur und Bildschirm? Wie schreibst du deine Ideen/Geschichten/Blogbeiträge (zum ersten Mal) auf und warum?

Lieber Tastatur und Bildschirm. Das passiert mit Musik. Manchmal entwickle ich Empfindungen und die regen meine Fantasie an. Daraus entstehen Geschichten. Wenn das passiert, höre ich mir denselben Song ein paar Mal an, um die Geschichte auszubauen. Dann schreibe ich sie am Notebook nieder. Als Hilfsmittel verwende ich iA Writer. Ein tolles Programm für Schreiberlinge. Hier kann man die Sätze nach Wortarten filtern und so strukturiert Texte redigieren.

Und ich schreibe sie nieder, weil ich das Bedürfnis dazu einfach habe. Sobald eine Geschichte final ist, kribelt es und dieses Gefühl ist toll. Es fühlt sich gut an. Ich verliere mich gern darin.

  • Welche Rolle spielt Musik für dich in deinem Leben?

Eine immens große. Hätte ich sie nicht, würde meine WordPress-Seite nicht existieren.

  • Stell dir vor, ein rosa Känguru hüpft plötzlich vor dir über den Gehweg und verschwindet in einer Hecke. Was denkst du dir in diesem Moment?

Höchstwahrscheinlich das: Nicht mehr so viele Comics. 😀

  1.  

Jetzt die Nominierungen. Die Anzahl ist auch für mich recht hoch. Daher findet Ihr unten eine erlesene Auswahl meiner Favoriten:

Die fünf Fragen für die Nominierten:

  1. Welcher Film ist Euer Lieblingsfilm und warum?
  2. Wohin seit Ihr zuletzt gereist?
  3. Was wolltet Ihr schon immer mal werden?
  4. Wart Ihr schon mal auf einer Convention?
  5. Wenn Ihr eine Comicfigur sein könntet, welche wärt Ihr dann und was würdet Ihr zuerst tun?

Hier sind noch drei Beiträge, auf die ich recht stolz bin. Ich denke, sie sind gut geschrieben, voller Gefühl und lassen in einem die Spannung aufkeimen. Viel Spaß! 🙂

Und das war’s. Die Mitteilungen an die Nominierten folgen gleich nach der Veröffentlichung dieses Beitrags.

Auch mich würde es freuen, wenn die Nominierten mitmachen könnten. Denn es macht Spaß! 🙂

Noch ein schönes Wochenende Euch allen!

Headwrittenstoryteller

 

Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen

Die Reklame vom Cinema Planet erstrahlte im Stil der Roaring Twenties in einem dunklen Rot. Es war Nacht auf den breiten Straßen New Yorks. Ethan stand meterweit vor den Eingangstüren. Er zweifelte.

Ah, wie soll das nur funktionieren? Was soll ich ihr sagen. Nein, das wird nicht geschehen. Mit Sicherheit. Ich bin nicht gut genug. Sie spielt mit mir. Ein Zeitvertreib bin ich. Sonst nichts.

Er kehrte um. Seine Beine stoppten, er hielt inne. Google wurde am Smartphone aufgerufen und Stichworte eingetippt.

Mal sehen. Wie war das? Emma, drei Kinder, vor ungefähr 20 Jahren, meine Adresse. Hm, ich brauche Antworten.

Die Trefferliste ließ ihn versteinern.

Oh, nein. Wie schrecklich. Wie fürchterlich! Kein Wunder, dass sie so reagierte. Ich war verdammt taktlos. Oh mein, Gott.

Das Display wurde schwarz. Er drehte sich um und nahm seinen ganzen Mut zusammen.

Die Eingangstüren öffneten sich und zugleich vernahm seine Nase den wohligen Duft von gebuttertem Popcorn. Isabella füllte Snacks nach, als sich Ethan ihr näherte. Sie tat es auf diese ruhige beseelte Art. Er sah ihr gern dabei zu. Sie bemerkte ihn und schenkte ihm sofort ein breites Lächeln. In den Händen hielt er zu ihrer Verwunderung kein Kinoticket. Besorgt trat sie an ihn heran. „Guten Abend, Mister Baker. Ist etwas nicht zu Ihrer Zufriedenheit?“ „Nein, alles ist in Ordnung. Ich komme gern hierher.“ Sie nickte lächelnd. „Das ist wahr. Sie haben fast das gesamte Kinoprogramm gesehen. Noch ein paar Filme und Sie erhalten den Goldstatus mit zwei Freikarten.“ Er stimmte ihr zu, wusste nicht, wohin mit den Augen. „ Miss Collister, ich bin aus einem. Einem ganz anderen Grund hier.“ „Der wäre?“ Erwartungsvoll sah sie in an.

Die Nervosität wurde mit einem verlegenen Auflachen überspielt. Aber das half Ethan nicht. Er dachte an Emmas Worte. „Miss Collister, ich bin sehr nervös. Das bemerken Sie bestimmt. Ich weiß beim besten Willen nicht, wie ich Sie das fragen soll.“ Verständnisvoll neigte sie den Kopf zur Seite. „Hey, jeder ist mal nervös. Alles okay. Lassen Sie sich Zeit.“ Ethan griff sich an den Hinterkopf und machte sich für den zweiten Versuch bereit. „Ich bin hier, weil ich Sie will. Ich meine, heute Nacht. Oh, Gott! Was ich sagen will, ist, dass ich mit Ihnen ausgehen will. Am besten noch heute. Ich finde Sie unglaublich und Ihre Schönheit bringt mich auf eine angenehme Weise durcheinander. Wie zum Beispiel jetzt.“ Er hoffte, dass das Gesagte richtig rübergekommen war. Und das war es. Sie strahlte förmlich, ihre angespannten Schultern lockerten sich. „Wow, klar. Ja gern. Ich dachte schon, Sie würden mich nie fragen. Um 21:00 Uhr habe ich aus. Ich muss jetzt weitermachen. Bis dann, Ethan.“ Sie winkte ihm zu und hastete zu den Snacks zurück. „Bis dann, Isabella.“

Ethan hatte sich umgezogen, das Beste, was die Garderobe anbot. Pünktlich holte er Isabella ab. Sie spazierten, unterhielten sich, lachten. Zum ersten Mal war für ihn eine Unterhaltung entspannt. Und er wurde spontan. Der sommerliche Wind lud sie auf Eiscreme ein. Sie erfuhren viel voneinander. Denn in dieser Nacht stand in den Augen des jeweils anderen mehr geschrieben als in 7 Büchern.

Und dann kam dieser Moment, dieser ersehnte Moment. Sie sahen sich schweigend an. Ethan strich ihr aus der Laune heraus das lockige Haar hinters Ohr. Seine Hand hob ihr Kinn ein wenig. Isabella schloss die Augen. Noch einmal bestaunte er ihr gemaltes Gesicht im Mondschein. Und dann…

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Geisterstunde

Die Wohnungstür ging auf und Ethan trat herein.

Warum immer dieser Smalltalk?

Gedankenverloren legte er seine Jacke ab und betrat das Arbeitszimmer. Der lederne Bürosessel ließ die Beine entspannen. „Habe ich die Tischlampe verschoben? Merkwürdig.“ Sein Kopf versank vor den Schubladen an der Seite. Als die Mappen am Schreibtisch ausgebreitet wurden, um die Rechnungen einzusortieren, blendete ihn das grelle Licht erneut. Die Tischlampe schien direkt auf die Wand.

Wie ist das nur möglich? Oh Gott!

Die Tischlampe nahm von selbst die gewünschte Position wieder ein. „Weil ich das tue.“, drang in seine Ohren. „Wie? Was?!“ Er sprang vom Sessel und starrte auf die Möbel. „Ethan, bitte. Sei unbesorgt, du bist nicht verrückt. Diese Stimme existiert in deinem Kopf nicht. Sie ist meine. Du hörst sie, weil ich das zulasse.“

„Aber wie? Aber-wie? Was bist du?“
„Ein Geist. Ein Geist, der deine Hilfe braucht. Dringend.“
„Wieso-kann-ich. Dich. Nicht-sehen?“
„Weil ich auch das steuern kann. Ich will dich nicht überfordern, Ethan. Ich habe lange genug gewartet. Bitte hilf mir.“

Die Finger zitterten, der Körper war angespannt. Diese Stimme, jede Silbe drückte so viel Geborgenheit aus. Er überlegte. „Wozu brauchst du meine Hilfe?“ Der Bürosessel drehte sich zu ihm. „Bitte, Ethan. Nimm Platz. Und nenn mich Emma.“ Er setzte sich. „Gut. Ich-weiß-nicht. Ich kann nicht glauben, dass ich diese Frage jetzt stelle. Wie kann ich dir helfen, Emma?“ Er überschlug seine Beine und drehte nervös Däumchen.

„Mir ist klar, dass für dich diese Unterhaltung nicht real ist, sein kann. Aber ich danke dir, dass du nicht nach dem ersten Wort vor mir geflüchtet bist. Ich habe schon Schlimmes befürchtet.“ Er nickte verstört. „Okay, ich komme jetzt zu meinem Problem. Ich bin ein Geist, der wegen einer unbeendeten Sache in seiner einstigen Wohnung seit über 20 Jahren gefangen ist.“ Ethans Augen weiteten sich. Nach und nach erschien im Lichteinfall der Abendröte durchs Fenster ihre Silhouette. Sie trug ein sommerliches Kleid und ihre gesamte Erscheinung bestand aus Weiß- und Schwarztönen. Umgeben von einem leicht fluoreszierenden Weiß. „Wenn du die Sache für mich beendest, kann ich endlich zu ihnen. Meiner Familie.“ Emma blickte wehmütig zu dem Himmel hinauf. „Sie fehlen mir, sie alle. Kannst du das verstehen?“ Sie wusch ihre Tränen mit dem Handrücken weg und sah ihn an.

„Oh, du hast also mit deiner Familie hier gewohnt. Weswegen war die Wohnung seitdem bis zu meinem Einzug durchgehend leer?“ Sie deutete auf den schwarzen Schmutz in der Ecke. „Ich kenne keine anderen Geister, aber ich weiß, dass dieser Schmutz meiner Trauer entwächst. Früher war die ganze Wohnung verschmutzt. Es hat lange gedauert, bis ich mich fassen konnte, Ethan. Viele Jahre.“ Sie lehnte sich an den Schreibtisch. „Ich verspreche dir, dieser Schmutz verschwindet, sobald ich ins Licht gegangen bin.“ Ihr Blick strahlte so viel Herzenswärme aus, dass es ihm leichter fiel, ruhiger zu werden. „Wie ist das passiert? Wie hast du sie verloren? Wie ist das mit dir –“ Sie hob ihre Hände. „Ich, ich kann nicht.“

Ethan drehte sich zum Schreibtisch und nahm ein Blatt. „Schon gut, ich verstehe. Was soll ich tun? Soll ich etwas wiederbeschaffen? Oder mit deinen Hinterbliebenen reden?“ Sie ging um die Rückenlehne und beugte sich zu den Notizen hinter dem Notebook. Emmas Geisterhand zog einen zerknitterten Zettel mit der heimlichen Lyrik hervor. „Isabella ist süß.“ Ethan fuhr hoch. „Wie kannst du es wagen?! Das ist meine Privatsphäre!“ Sie wich zur Seite. „Ich bin ein Geist und schlafe seitdem nicht. Seit deinem Einzug habe ich eine Verbindung zu dir und kann dir überall hin folgen. Ich war sogar dabei, als du diese Lyrik unter Tränen geschrieben hast.“ Peinlich berührt gab er auf. „Das ist es? Du musst jemanden erfolgreich verkuppeln?“ Er fiel in den Sessel und hielt mit den Händen seinen Kopf über dem Schreibtisch.

„Ich hatte drei Kinder. Darunter einen Sohn, das älteste Kind. Jason hatte eben wie viele andere in seinem Alter Schwierigkeiten, Mädchen anzusprechen. Doch später traf er auf die Richtige. Und er wollte sie mir vorstellen. Ich konnte es kaum erwarten. Ich wollte sie beide so gern sehen. Ihn, so glücklich. Aber ich konnte nicht, denn es passierte genau an diesem, Tag.“ Ethan hob den Kopf. „Es tut mir wirklich leid, Emma. Ich freue mich, dass Jason dieses Glück hatte.“ Sein Kopf sackte wieder nach unten. „Aber ich werde das nie haben. Ich bin unausstehlich, langweilig, ein Monster. Für alles und jeden. Wenn ich sie sehe, dann könnte ich ihr am liebsten sagen, wie toll ich sie finde. Aber wenn ich nur daran denke, dreht sich mein Magen. Diese Reaktion von ihr, das Verziehen ihres Gesichts nach dieser Offenbarung. Oh nein, das wäre so schrecklich. Ich könnte dann nie wieder hin. Niemals.“

Emma legte ihre Hand auf die Lehne und sprach zu ihm, wie es eine Mutter in so einem Moment tat. „Ethan, kleiner, verletzter Ethan. Ich kenne dich. Ich weiß genau, was in dir vorgeht. Besonders jetzt. Du bist in keiner Weise langweilig oder unausstehlich. Du bist nett, gutherzig und so bescheiden in deinen Wünschen. Dein Schmerz über all die Jahre hat dein Selbstbild dermaßen verzerrt, dass du völlig falsche Ansichten über das Leben, dein Leben, hast. Ethan, du siehst gut aus, das wird schon.“ Er griff sich ins Gesicht. „Und was ist mit meinen Eigenarten?“ Sie nahm eine ermutigende Pose ein. „Du bist nicht verrückt. Das sind nur verschleierte Ausdrücke für das, was dir fehlt. Dieser Kontroll- und Hygienewahn kompensiert den inneren Wunsch nach einem Partner und der Bestätigung, dass du ein wertvoller und wichtiger Mensch für jemanden bist. Glaube mir, all das wird vergehen. Lass es einfach geschehen.“ Sie legte den kleinen Zettel vor seiner Nase auf den Schreibtisch. „Bitte hör mir jetzt ganz genau zu. Isabella Collister ist das Heilmittel für deinen Verstand und dein Herz. Besonders dein Herz. Und vergiss bitte Folgendes nie: Die Zeit ist lediglich ein Fluss, der aus unserer Vergangenheit fließt.“

Mit diesen Worten erhellte sich die fluoreszierende Silhouette und löste sich in einer angenehmen Brise auf.

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Emma will es wagen

Puh, wie lange das noch dauern wird. Die Kinokarte, da stand 19:15 Uhr. Und die Laufzeit? Ich schätze, dass der Film rund 2 Stunden dauern wird. Oje, dieses Warten. Ich bin so aufgeregt. Er ist der Richtige, der Einzige. Aber wie gestalte ich den Erstkontakt? Moment mal, Ethan geht nach solchen abendlichen Unternehmungen immer zuerst ins Arbeitszimmer.

Na ja, was eignet sich hier für eine Inbesitznahme am besten? Soll ich etwas an die Wand schreiben? Oh, oh – er wird noch vor dem Morgengrauen in einem anderen Bundesstaat sein. Wie wäre es damit? Genau, das ist es. Sehr subtil. Damit kann ich ihn auf meine Wenigkeit aufmerksam machen.

Wohlig ist mir dabei nicht. Was, wenn er ganz anders reagiert? Mir nicht helfen will? Er muss. Ich kenne seine Probleme. Und seinen sehnlichsten Wunsch. Ich kann ihm bei der Erfüllung dieses Wunsches behilflich sein. Ich bin mir ganz sicher. Nach mehr als 20 Jahren ist es endlich so weit. Ich darf mir keine Fehler erlauben. Noch ein bisschen muss ich Geduld aufbringen. Noch ein bisschen.

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Ethans Gedanken bei Dienstende

Ich hasse mein Leben. Nie werde ich vollkommen akzeptiert! Nirgends. Warum hat sie nicht gegrüßt? Wieso hat sie ihr Gesicht so komisch verzogen? Ich weiß nicht, was ich falsch mache. Ich bin gepflegt, grüße und mache meine Arbeit. Schlafe exakt 8 Stunden, esse exakt dreimal am Tag, kaue über 20-mal, immer. Merkwürdige Kollegen.

Ich bin noch neu in der, in dieser Steuerberatungskanzlei. Schön, aber dann dieses Verhalten? Sie muss mich nicht mögen, aber grüßen! Ich hasse es, wenn sich Menschen vor mir ekeln. Bin ich so unangenehm? Ich muss hier raus.

Ah, endlich. Zuhause. Hier ist alles ordentlich, und nett. Hm, angenehme Ruhe. Fein, da sind noch Äpfel. Noch schnell abwiegen. 112g, gut. Wie viele Kalorien das wohl hat. Wo ist der Stift? Oh, verdammt! Wie konnte ich nur den Stift anfassen! Meine Hände sind nicht sauber. Ich könnte explodieren! Wo ist das Desinfektionsmittel?! Moment, zuerst die Hände waschen.

Hier bist du. Was ist das? Nein, nicht schon wieder dieses grässliche Schwarz. Woher kommt das?! Ich muss mich beruhigen, sonst werde ich noch wie diese Kollegen. Die brauchen doch alle psychologische Hilfe.

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FRIGHT NIGHT I

„Willkommen zurück zu meinem jährlichen Alptraum. Und ich denke, ihr werdet es wieder mögen! Ah, könnt ihr es riechen? Diesen Geruch? Den gibt es nur zu Halloween. Was er verheißt? Grusel, Spaß, und das ein oder andere Abenteuer. Oh ja, meine Jünger, hört genau zu, wo immer ihr auch seid. In dieser Nacht ist alles möglich. Denn das Jenseits öffnet und verbindet sich mit dem Diesseits. Die Geister sind für das alljährliche Umherwandern auf der Erde dankbar. Und im Gegenzug machen sie heute, in dieser Nacht, das Unmögliche möglich. Also, ihr Schneewittchen, geht und sucht eure Zwerge. Ha, ha! Sie werden es euch danken. Und ihr, ihr bösen Werwölfe, Jasons und Freddys. Jagd eure Beute, heute werdet ihr sie finden! Und besonders ihr Mauerblümchen, ihr neurotischen Stubenhocker. Ja, genau euch meine ich! Auch ihr werdet euren Spaß haben. Glaubt ihr mir nicht? Dann streift euch etwas Cooles über, macht eure Frisuren, die eure Mütter schneiden, wild und lebt die dunkelsten Seiten in euch aus. Denn nur heute dürft ihr sein, wer ihr schon immer sein wolltet. Denkt dran, die besten Dinge im Leben machen keinen Sinn. Oh, verteufelter Mist. Es werden doch Achtlinge. Jeffry, ich fühle schon jetzt mit dir, obwohl deine Schicht erst in einer Stunde beginnt. Aber bevor ich zur Toilette rase, zelebriere ich meine Show mit einer Scheibe, die euch schon mal einstimmt. ‚Somebody’s Watching Me‘ von Rockwell mit Michael Jackson. Oh, Jesus, steh mir –“

Liam zog nervös den Wagenschlüssel heraus. Die kühlen Brisen ließen ihn frösteln.

Bleib cool. Das ist dein Moment. Bleib einfach cool. Freaky Eddy und seine Radioshow. Dieser Typ sollte mit seinem Burrito-Wahn irgendwann aufhören. Nein, konzentriere dich. Du bist endlich hier. Gehe in diesen Club und werde ein Mann.

Er vergrub seine Hände in der Lederjacke und straffte die Schultern. Der Mond schien klar hinter düsteren Wolken. Der Eingang war nur noch ein paar Schritte entfernt. „Hey, du!“ Liam drehte sich vor Schreck. „Ja? Was ist?“ „Suchst du heute auch nach dem gewissen Etwas?“ „Wie? Ja, klar. Immer.“ Er begann zu posen, zum ersten Mal. Ziemlich unbeholfen. „Und woher kommt ihr? Vom Land? Habt ihr eine Range? Vielleicht?“ Die beiden betrachteten ihre Outfits. „Was?! Nicht doch! Wir sind verkleidet. Wir gehen als Farmgirls.“, erklärte die Größere von Ihnen. Schwarzes Haar. Samtig schwarze Augen, die ihm eine Geschichte erzählten. „Oh, cool, cool. Und diese Blässe. Gehört die dazu?“ Das blonde Farmgirl kuschelte den Kopf an ihre Schulter. Ihre blauen Augen gifteten Liam an. „Ganz ein Charmeur …“ In seiner Brusttasche klingelte es. Zu spät sah er aufs Display. „Ja, ich bin warm angezogen. Nein, die Schlüssel sind bei mir. Ja, versprochen. Gut, bye.“ „Oh, wie süß deine Mom doch ist.“ „Ja. Was? Nein! Das war nicht meine. Ich meine, ja. Das war meine, ihr wisst schon.“ Sie kicherten und machten um ihn einen Bogen. „Wir sehen uns, Badboy.“ Sie verschwanden im Club der South Side Wolves.

Nur Moms besitzen die Gabe, das Leben ihrer Kinder zu ruinieren. Auch wenn sie nicht da sind.

Es klingelte erneut. „Hi, Liz. Ich weiß, die Party beginnt um 10:00 Uhr. Wir treffen uns auf den Stiegen“, eine Rockband fing an zu spielen und die Riffs hörten sich für Liam höllisch gut an, „Wie? Nein, ich bin noch unterwegs. Ja, sicher. Bis dann.“

Seine Schultern zuckten, als die Neonbeleuchtung am Eingang wegen einer Überspannung aufblitzte. Der gesamte Club bestand aus einem einzigen riesigen Raum. Liam sah nur Biker. Biker und ihre Bikergirls. Nicht wenige entsprachen gänzlich dem Klischee. Und so traute er sich nicht, sie näher zu betrachten. Sie waren monströs. Jemand rempelte ihn an. Instinktiv hob sich seine Hand, um zu beschwichtigen. Der Typ starrte ihn nur an, bis er in der Menge verschwand.

Okay, cool bleiben. Einfach weitergehen. Los, zur Bar.

„Abend, hallo. Wie heißt dieser Song?“ Ein dürrer Kerl mit einem meterlangen Vollbart jonglierte mit Flaschen und befüllte dabei Gläser am Tresen. Der Lärmpegel war zu hoch. „Wie heißt! Wie heißt dieser Song?!“ Seine Stimme drang endlich zu ihm durch. Der Barkeeper verschwand für einen Augenblick und knallte zwei Shots aufs Holz. „Mas Tequila.“ Sie hoben die Shots, stießen an und tranken. So schnell schloss man an diesem Ort Freundschaft. Liams Speiseröhre brannte und er suchte am Barhocker Halt. Sein neuer Freund deutete auf die Bühne. Der Club war in Farbtönen von Rot und Orange eingetaucht. Zigarrenqualm erschwerte seinen Augen die Suche nach der Bühne. Die Augenbrauen hoben sich. Stripperinnen tanzten neben der Band. Choreographisch begossen sie sich und ihre Fans mit Alkohol. Bikergangs hatten ihren ganz speziellen Sinn für Partys. Für den Highschool-Schüler war es verrückt, aber gut. Heute wollte Liam Swanderson einfach anders sein. Dem konventionellen Leben entfliehen, etwas Verbotenes tun. Heimlich, ohne dass irgendjemand davon wusste. Und das gelang ihm heute, zu Halloween.

Die Zeit verging, der Alkoholgehalt im Körper stieg. Er hatte es sich an der Bar gemütlich gemacht und den Gästen beim Feiern zugesehen. Mittlerweile waren es weniger. Paare und einige einsame Biker mit ihrem Bier schwenkten fest umschlungen auf der Tanzfläche ihre müden Knochen. Die Band hatte sich kurz vor Mitternacht verabschiedet. Karaoke-Liebhaberinnen standen auf der Bühne und gaben „The Way We Were“ zum Besten. Liam überblickte die überschaubare Menge. Da waren sie wieder, diese samtigen Augen. Ihr Blick war gefestigter als vorher. Sein Körper richtete sich auf. Seine Beine begannen, einen Schritt nach dem anderen zu setzen – wobei er das gar nicht wollte.

Was ist hier los? Zu viele Shots? Wieso fühle ich mich so komisch? Ich will, nur noch, zu ihr. Zu ihr.

Ihre blutroten Lippen zauberten ein Schmunzeln.

„Hey, Badboy.“, verspielt tanzten die Farmgirls miteinander, „hast du das gewisse Etwas gefunden?“ „Hey, ja. Ich meine, nicht wirklich. Nein.“ Sie löste sich von der Blondine und zog die lederne Jacke zu sich. „Das kann ich für dich, ändern.“

Die Straßen waren vernebelt. Geschnitzte Kürbisse säumten die Gehsteige hier und dort. Es war finster, still. Hin und wieder raschelte der Wind durchs Geäst der Bäume. Sie schubste ihn aufs Bett. „Stella, ich denke, dass das nicht so eine gute Idee ist.“ Stella seufzte und ließ ihren Kopf baumeln. Dabei fiel ihr Haar im Mondschein auf Liam nieder. „Blondie, wieso? Das macht Spaß, du wirst sehen.“ Sie warf ihre Mähne zurück und richtete ihn auf. Sein Gürtel wurde mit einer Wucht von der Jeans herausgerissen und zur Seite geschleudert, dass die Schnalle in der Wand sich eingrub.

Er bekam nicht viel mit, in diesem dämmrigen Halbschlaf. Sein Körper spürte nichts mehr, nicht mal ihren Körper auf seinem. Ihre Hände glitten über seinen Hals zum Gesicht und zogen seinen Kopf in Ihre Richtung. Der lüsterne Sturm in ihren Augen ergriff seinen Verstand. Und Stella begann, ihm Dinge nach und nach ins Ohr zu flüstern. „Dein Leben ist dasselbe, Tag für Tag. Alles, was du tust, tust du auf dieselbe, alte Weise.“ Ihr Atem war ein Gebet auf seinen Lippen. „Ich kann dir die Welt in einem anderen Licht zeigen.“ Er verging sich in ihrem Aroma. „Gebe dein Herz der Seele. Gebe deine Seele der Nacht!“ Fangzähne ragten aus ihrem Mund und bissen zu.

Dieser Schmerz. Dieser stechende Schmerz. Er bohrt sich durch meinen ganzen Körper. Meine Hände, meine Arme. Ich kann mich nicht bewegen. Irgendwie lähmt sie mich. Was passiert mit mir?! Ich kann nicht klar denken. Ich schwitze. Die Umgebung schwindet. Dunkelheit, um-mich-herum. Oh-nein!

Blondie spähte aus dem Fenster, um sicherzugehen, dass niemand dem baufälligen Lagerhaus zu nah kam. Mitleidig wandte sie sich dem Teenager wieder zu. Befriedigt knurrte es aus Stellas Kehle. Voller Hingabe labte sie sich an der Lebensquelle, und ihre blutigen Hände drückten den allmählich niedersackenden Körper zu sich. Der Schrecken und die Furcht in Liams Gesicht waren unaussprechlich. Die Irides verfärbten sich rot, und das ängstigte Blondie. Nun war er ebenfalls eine Geisel der Dunkelheit.

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Die heimliche Lyrik von Ethan Baker

Irgendwann begegnet jeder einmal dem Mädchen, von dem er weiß, dass sie zum Mittelpunkt seines Lebens wird. Ein Mädchen, das sein Ein und Alles ist. Ein Mädchen, das seine Welt erschüttert. Das alles und noch viel mehr ist Isabella Collister, Servicemitarbeiterin am Buffet von Cinema Planet.

Und seitdem ich sie zum ersten Mal gesehen habe, ist keine einzige Sekunde vergangen, in der ich nicht vollkommen und aus tiefstem Herzen in sie verliebt war.

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